Matronales Damenparlament
Neues aus den Hauben der weisen Frauen

Installation mit Figurengruppen aus Kleister und Papier.
Sie wachsen ständig nach, ab 1990 bis 2011 immer wieder neue, die jede für sich immer wieder eine neue Oberhaut erhalten, je nach dem, was sie an Blessuren durch Transporte und allzu intensive Publikumsannäherungen davongetragen haben.

Die Zeiten sind komplexer geworden, daher genügt es nicht, zu dritt daher zu kommen, 3 x 3 x 3 ist das mindeste. Die Matronen sind gewachsen, sie sind meist lebensgroß, das entspricht ihrem Einfluss. Ihnen wurde nachgesagt, sie wären für Fruchtbarkeit zuständig. Doch sie bevorzugen heute eher Begriffe wie Förderung nachhaltiger Agrarpolitik und Ökologie. Ihre Füllhörner sind nicht mehr schlicht mit Äpfeln und Ähren gefüllt, sie haben ein paar EU-Förderpakete dabei, sie sind Europäerinnen damals wie heute (s. Europakarte mit ihrer Verbreitung).
Sie verwahren sich gegen die Mode, - da gibt es ausnahmsweise überhaupt nichts Neues. Sie bestehen auf ihrer Kopfbetontheit.

Sie haben sich im Halbkreis in parlamentarischer Formation eingefunden, sie kommunizieren oder versinken in ihren matronalen Gedanken, Weisheit wiegt schwer… Ihre Gewänder fließen in Kaskaden von Falten zu Boden, denn, obwohl die Matronen sehr still auf ihren Plätzen sitzen, bedeuten die fließenden Formen Bewegung und Veränderungsprozesse.

Sie bestehen aus 1000 Schichten von Zeitungspapier und Farbpapier aus dem Copy-Laden. Die Papierschichten sind gelesene und zerfetzte Zeitgeschichte. Würde man eine Haube in der Mitte zersägen, sähe das Innenleben wie eine Megazwiebel aus. Das Langzeitbild der Installation entfaltet seine besondere Wirkung:
Mächtige Frauen stärken ihr Netzwerk im Gespräch und Auseinandersetzung. Sie kommen zu hervorragenden Ergebnissen selbstredend zum Wohle der Nettersheimer und Nettersheimerinnen.

Marianne Pitzen